„Die Menschen des Altertums wussten um den rechten Weg (Dao), sie richteten sich nach den Gesetzmäßigkeiten von Yin und Yang und traten in Ausgleich mit den Weissagungen. Ihr Essen und Trinken war maßvoll, Aufstehen und Ruhen folgten einer Regel. Ihre Arbeit verrichteten sie nicht unbesonnen. Daher konnten sie Leib und Geist vollkommen erhalten und ihr himmlisches Alter vollenden, indem sie erst dahinschieden, nachdem sie hundert Jahre verbrachten. ... Mit sorglosem Wollen und gemindertem Verlangen beruhigt sich das Herz und wird ohne Furcht. Die Arbeit ermüdet den Leib nicht und das Qi gehorcht seiner Richtung. Alles nimmt den gewünschten Lauf und findet Erfüllung. Daher verschönere dein Essen, lockere deine Kleidung, bereichere deinen Umgang mit Freude, sehne dich nicht nach hoher oder niedriger Position. Ein solches Volk nennt man wohl schlicht.“

 

 

Huáng-Dì-Nèi-Jīng • Shàng-Gǔ-Tiān-Zhēn-Lùn Piān-Dì-Yī

(Leitfaden des Gelben Ahnherrschers, Innerer Band –

Erstes Kapitel: Abhandlung über den wahren Himmel des Altertums)

 

黃帝內經:上古天真論篇第

Altchinesische Medizin

Lernen von den Meistern der Klassik

Die altchinesische Heilkunst lehrt uns eine umfassende Betrachtung eines jeden Krankheitszeichens. Bei Beachtung dieser Vorgabe kann zu Recht von einer ganzheitlichen chinesischen Behandlung gesprochen werden.

 

Der Weg zur Heilung im Sinne der altchinesischen Medizin, führt uns genauso in die Tiefe unseres Selbst. Den alten Meistern war jederzeit bewusst, dass bei dem Schüler nicht nur äußere Fertigkeit, sondern auch innere Erkenntnis zu entwickeln ist.

 

Diese erweiterte Form der Medizin zielt darauf ab, die Pathologie des individuellen Qi zu therapieren. Sie kann und darf daher nicht nach vorgegebenen Standards verlaufen.

 

Unsere Behandlung sollte daher die innere Tiefe eines Individuums mit berücksichtigen, damit wir uns über begrenzte Resultate hinaus weiterentwickeln können.

 

Bedauerlicherweise ist im heutigen Gesundheitswesen und in der üblichen TCM-Ausbildung kein Platz für derartige Entwicklungen und Vorgänge vorgesehen. Dennoch ist genau dies die Quintessenz und der Angelpunkt der Ausbildung zu einem fähigen Therapeuten im Sinne der Altchinesischen Medizin. Darauf wird in den klassischen Schriften beständig hingewiesen.

 

Nur mit dem Einsatz von außerordentlichen Fähigkeiten können die angewandten Behandlungsformen wie Akupunktur und Moxibustion, Arzneimitteltherapie, Tui-Na, Ernährungstherapie und Qi-Gong ihre volle Wirksamkeit entfalten.

 

In der Ausbildung in der altchinesischen Medizin werden daher nicht vorgefertigte Formeln vermittelt. Vielmehr wird der innere therapeutische und intuitive Reichtum der Teilnehmer entwickelt.

Wir legen daher großen Wert auf die Schulung der Wahrnehmung des lebendigen und komplexen Qi in seinem Sich-Wandeln und Fließen.

Ein Schwerpunkt des Unterrichts liegt daher in praktischen Übungen zur Intensivierung der Aufmerksamkeit und Vertiefung der Wahrnehmung.

 

Um diesem Ansinnen gerecht zu werden, müssen wir als Therapeuten uns auf den Weg der inneren Reife und Wandlung begeben und durch Hingabe an den inneren Prozess das Qi erfahren und lenken lernen.